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Warum ist tierische Nahrung für Hunde so wichtig?

Unser Planet wird grob von zwei Lebensformen bevölkert: von Tieren und Pflanzen. Terrestrische Vegetation ist von nachwachsenden Nahrungsquellen weitestgehend unabhängig. Licht wird in die biologisch verwertbare Form von Energie, nämlich Stärke, umgewandelt. Andere Nährstoffe, wie z. B. Nitrate, Phosphate, Kalium, Kohlendioxid werden der Luft, Wasser und dem Boden entnommen. Tier und Mensch dagegen sind auf nachwachsende Nahrungsquellen angewiesen.

Auf die unbestrittene Relevanz von Vitaminen und Mineralstoffen wird immer wieder zur Genüge hingewiesen. Dagegen sind Informationen über die Bedeutung von Fett- und Aminosäuren für den Stoffwechsel spärlich. Verbreitet ist, dass Eiweiß dem Muskelaufbau dient, Fett dagegen den Cholesterinspiegel erhöht und der Figur schadet. Zu kurz gedacht. Omega-n-Fettsäuren sind lebenswichtig (essentiell), und Hunde sollten den größten Teil ihres Energiebedarfs durch tierische oder pflanzliche Fette decken. Noch umfangreicher ist die Bedeutung von Proteinen, genauer deren Bausteine: Aminosäuren.

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Muskulatur und Gelenke – Grundvoraussetzung für Beweglichkeit.

Wo kommen diese Säuren her?

Pflanzen und Mikroorganismen sind nicht nur in der Lage, alle für sie notwendigen Aminosäuren selbst zu synthetisieren. Ihre nachwachsende Biomasse ist Anfang einer (fast) unerschöpflichen Nahrungskette. Blätter, Gräser, Blüten, deren Samen, im Meer Algen – all dies wird aus selbstproduzierten Eiweißverbindungen modelliert und ist Nahrung für unzählige Tierarten. Nur 20 Aminosäuren –  die in u.a. kleinsten Kleeblättchen autark biochemisch synthetisiert werden – sind die Bausteine für Muskulatur, Organe, und Gelengmatrix. In Verbindung mit Mineralien entstehen Knochen, Gräten, Haut, Haare, Federn, Schuppen, Insektenpanzer, Zähne und Hirschgeweih.

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Hämoglobin – auch ein Eiweiß. Eisenhaltiger Bestandteil roter Blutkörperchen.

So unterschiedlich und artenreich sich tierisches Leben entwickelt hat, so verblüffend identisch ist der eigentliche Nährstoffbedarf. Ob Elefant, Löwe, Eisbär, Papagei und Goldhamster: ohne Mineralien wie Kalzium und Phosphor kein Skelett, kein Fell, kein Federkleid. Ohne Eisen und Magnesium kein Sauerstoffaustausch in Organen und Muskulatur. Geringste Mengen Jod sind für Tiere mit einer Schilddrüse unverzichtbar. Vitamine unterstützen als „Additive“ bei allen Tieren gleiche oder ähnliche Stoffwechsel-, Organ- und Sinnesfunktionen. Aber ohne Aminosäuren geht gar nichts. Täglich sterben unbemerkt Millionen von Körperzellen ab, die, ebenso unbemerkt, durch Zellteilung immer wieder ersetzt werden. Das Heilen von Wunden und Brüchen, Aufbau und Erhalt von Muskulatur, Pflege und Wartung der Gelenkmatrix, der Haut – ohne die passenden Aminosäuren unmöglich. Würde verschlissenes Gewebe nicht permanent mit neuen Zellen aufgefüllt, bedeutete dies Verlust von Substanz und Verfall.

Fett- und Aminosäuren werden in essentiell (müssen mit der Nahrung aufgenommen werden) und in nicht essentiell (der Organismus kann diese selbst produzieren) unterteilt. Eine exakte Abgrenzung ist allerdings nicht möglich, da einige Säuren in andere umgewandelt werden können, und der Bedarf sich durch Lebenszyklen wie Trächtigkeit, Laktation, Wachstum, Alter und Krankheit ändert. Essentiell oder nicht essentiell ist zudem von Art zu Art unterschiedlich. Für Hunde ist und bleibt tierisches Eiweiß der effektivste Lieferant von Aminosäuren. Denn nur Fett und Eiweiß werden im Verdauungstrakt gut verwertbar in ihre Säuren aufgespalten. Stärke wird, bevor sie Energie liefert, zunächst aufwendig in Zucker umgewandelt. Viele Fleischfresser sind dazu gar nicht in der Lage (z.B. Katzen) – Hunde nur auf Grund einer genetischen Mutation.

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Eiweißquelle entdeckt!

Welches „Beutetier“ verspeist wird, ist Hunden wohl völlig egal, Hauptsache es schmeckt. Und da ist Fleisch, aber auch Fisch unschlagbar. Sie sollten aber wissen, dass Muskulatur, Knorpel, Haut- und Fettgewebe unterschiedlich aufgebaut sind und folglich unterschiedlich Fett- und Aminosäuren liefern. Mit zunehmendem Alter, wenn der Bewegungsapparat erste Verschleißerscheinungen zeigt, steigt z.B. der Bedarf an Kollagenen. Tierische Organe wie Leber und Niere unterstützen die Versorgung mit Vitamin A oder Mineralien. Blutanteile (Eisen) sind für die Produktion von Hämoglobin wichtig.

Grundvoraussetzung und die am einfachsten zu realisierende Lösung für ein gesundes Hundeleben ist Abwechslung –  biologische Vielfalt. Fleisch und Fisch, die Sorten immer wieder variiert, verursachen in der Regel weder Allergien noch Unverträglichkeiten. Ein pflanzlicher Anteil am täglichen Futter ist zwar notwendig (siehe Veganes getrocknet), doch nur tierisches Eiweiß beinhaltet diese wichtigen Aminosäuren für Hunde gut verwertbar und in ausreichenden Mengen.

Nun roh oder gekocht?

Das Hauptargument für B.A.R.F. (Abk.: bones and raw food) ist, dass Wölfe bis heute Tiere jagen, sie erlegen und sie roh fressen.

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Wölfe fressen roh! Ja, wie denn auch sonst?

Nur der Mensch beherrscht das Feuer, und nur durch diese Fähigkeit sind wir überhaupt in der Lage, fast jede Nahrungsquelle genießbar, verdaulich aufzubereiten. Wahrscheinlich waren es gerade die Kochkünste unserer Vorfahren, die vor einigen tausend Jahren die an sich scheuen Wölfe in die Nähe menschlicher Siedlungen lockten. Nährstoffverlust durch Erhitzen ist nun wirklich das geringste Problem. Sinnvoller ist es, schon beim Kauf von Nahrung auf Qualität und Vitalstoffgehalt zu achten.

Unser Rat generell: um die Verbreitung multiresistenter Keime aus Massentierhaltung zu beeinträchtigen, besser noch sie zu verhindern: bitte rohes Fleisch immer kurz abkochen.