Kartoffel- und Getreideflocken

Artgerecht – nicht artgerecht. Fleisch roh oder gekocht? Getreide ja oder nein? Mittlerweile gibt es mehr Meinungen als Hunderassen. Und in der Tat ist es nicht nur für den Laien schwierig, bei der Masse der Quellen fundierte Fakten ohne kommerzielle  Interessen auszumachen. Kompetentes, vor allem aber unabhängiges Sachwissen ist schwer zu finden. Hundehalter, die Informationen auch gerne mal  hinterfragen, vor allem aber unabhängig neutralen Rat suchen, finden hier gut verständlich erklärte Antworten:

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Darf man Hunde nun mit Getreide füttern?

Ein ganz klares JA. Als Samen von Süßgräsern gehören Getreide zu den Feldfrüchten. In freier Natur stehen sie allerdings nur kurze Zeit zur Verfügung – zur Reifezeit. Nur wenige frei lebende Tierarten…,

 

…z.B. kleine Vögel und Nagetiere, sind anatomisch überhaupt in der Lage, speziell diese hart verpackten Nahrungsquellen (Nuss, Kern, Korn) mit ihren Schnäbeln oder Zähnchen zu knacken. Jene, die dies besonders gut können und sich ausschließlich davon ernähren, bevorraten sich bis zur nächsten Erntesaison: z.B. Hamster oder Eichhörnchen. Kleinere Vögel dagegen sind vor und nach der „Erntezeit“ auch auf andere Nahrungsquellen angewiesen, z.B. Würmer und Insekten. Bis der Mensch in der Lage war, Getreide zu kultivieren, das Korn zu lagern, es mit Hilfe von Werkzeugen zu bearbeiten und vor allem mit Feuer so zuzubereiten, dass es genießbar wurde, spielte Getreide als Nahrungsquelle wohl nur für kleinere Tiere eine Rolle. Auf die Idee, wegen dieser urgeschichtlichen Tatsachen unser „täglich Brot heute“ als nicht artgerecht vom unserem Speiseplan zu streichen, wird wohl hoffentlich niemand kommen.

Ertragreich gezüchteter Reis, Mais oder Weizen, aber auch kultivierte Verwandte wie Hirse, Wildreis, Quinoa, Amarant oder Buchweizen bilden heute die Grundnahrungsquelle der Menschheit überhaupt. Und als beliebtester tierischer Begleiter der Menschheit bekommt Hund natürlich überall auf der Welt davon etwas ab – mittlerweile seit Jahrtausenden. Forscher sind wohl sogar in der Lage, an Hand von frühgeschichtlichen Hundeskeletten den jeweiligen Entwicklungstand der Menschheit zu bestimmen. Denn durch mehrere, kleinere genetische Mutationen haben sich Hunde dem Nahrungsangebot ihrer Menschen angepasst. Nun ist der Hund allerdings immer noch kein Hamster…,

 

 

… und die besten Nährstoffquellen für Hunde sind und bleiben tierische Eiweiße und Fette. Doch wie in „Veganes getrocknet“ beschrieben, bleiben unseren Vierbeinern in der Regel wohltuende, aber übel riechende Nahrungsquellen verwehrt. Um daraus resultierende Defizite auszugleichen, bieten schonend auf- und zubereitete Getreideflocken gesunde, energiereiche Alternativen, auf die selbst bei „Biologisch Artgerechter Roh Fütterung“ mit häufig nährstoffarmen Schlachtabfällen eigentlich nicht verzichtet werden kann. Für viele Hunde ist Getreide aber bereits Hauptbestandteil des täglichen Speiseplans – in Trockenfuttermitteln. Denn viele von ihnen haben einen Getreideanteil von bis zu 50%. Doch wer seinem Hund permanent in großen Mengen Getreide füttert, sollte hiervon gehört haben: Agglutinine

Agglutinine (auch Lektine) sind Eiweiße, die sehr anschmiegsam sind: sie haben die Vorliebe, sich auf Zelloberflächen zu platzieren, anzuheften bzw. anzukleben. Mit geringen Mengen hat der Verdauungstrakt keine Probleme, denn man findet sie in nahezu allen Lebensmitteln, besonders jedoch in Bohnen und Getreide. Hier vor allem in Weizen. Doch wie reagiert ein normalerweise fleischfressendes Tier auf sintflutartige Mengen nicht benötigter Eiweiße? In ernstzunehmenden Quellen werden Lektine für das Verklumpen roter Blutkörperchen verantwortlich gemacht (siehe auch Komplettnahrung – gekocht). Gelangen große Mengen in die Blutbahn, verbinden sie sich mit Erythrozyten und machen das Blut dickflüssig.

„Alles, was zu viel ist, wird der Natur zuwider.“
(Hippokrates von Kos – griechischer Arzt des Altertums)

Andererseits sind die kleinen Körner wahre Nährstoffwunder und ähnlich aufgebaut wie Eier. Der Keimling (die befruchtete Eizelle im Eigelb) ist umgeben von Nährstoffen und Fetten, eingebettet in einen Mantel aus Stärke und Proteinen (das Eiweiß). Dieser versorgt und nährt den Keim, bis er am Boden die alles umhüllende Schale (Eierschale) durchbricht, eine Wurzel bildet und mit dem ersten grünen Blättchen oder Halm sofort mit der Photosynthese beginnt. Seit Menschengedenken kultiviert, sind nachstehende Feldfrüchte ausreichend eingeweicht oder gekocht nicht nur gut verträglich, sondern auch sehr nährstoffreich:

Hafer: Vitamine B1, B6, Eisen, Magnesium, Zink,  Biotin, Silicium
Hirse: Eisen, Magnesium, Calcium, Vitamin E
Naturreis: alle essentiellen Aminosäuren (Spektrum ähnlich wie Fisch),Vitamin B-Komplex (außer B12 und Folsäure), Vitamin E (Oryzanol), Eisen, Magnesium, Kupfer

Für getreidefreie Pausen:

Buchweizen: Lezithin, Eisen, Magnesium, Zink, alle essentiellen Aminosäuren, botanisch kein Getreide – arm an Lektinen,  frei von Glutelinen
Kartoffel: Vitamin C, basisch, arm an Lektinen, frei von Glutelinen

 

 

„Man muss mit der Natur langsam und lässlich verfahren, wenn man ihr etwas abgewinnen will“….
(Johann Wolfgang von Goethe)

Und so sollte man es mit der körnigen Kost halten. Feuer und Wasser – das sind die Elemente, die in Nahrungsmitteln sofort biochemische Reaktionen auslösen, und mit denen so manch schwer verdauliche Kost erst genießbar wird. Viele Substanzen, die „Bauchgrummeln“ verursachen, werden durch Kochen, Dampfgaren oder langes Einweichen neutralisiert. Sachverständig aufbereitet, in vertretbaren Mengen, biologisch vielfältig, sind Flocken eine gesunder, vollwertiger Futterzusatz. Doch es kommt auf die Menge an! Bereits 5-10g Flocken je 10kg Hund (plus 2-3 Teile Wasser) – zwischendurch immer wieder getreidefrei – ergänzen die tägliche Fleischfütterung mit natürlich vollwertigen Nährstoffen.