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Futterzusätze – Ergänzungsfuttermittel!

Speisepläne in freier Wildbahn lebender Tiere bestehen aus mehreren Komponenten, die in ihrer Gesamtheit unterm Strich alles liefern, was benötigt wird. Wenn nicht heute, dann eben morgen. So frisst, knabbert, zupft, malmt und jagt jedes Tier, was ihm seiner Art gerecht vor die Schnauze kommt. Ist das Nahrungsangebot jahreszeitlich oder durch Fremdeinflüsse reduziert, entsteht Mangel – mit all seinen Folgen. Unseren Vierbeinern soll es natürlich an nichts mangeln, und so wird auch immer häufiger zu Futterzusätzen und Ergänzungen gegriffen. Produkte für glänzendes Fell, Zahnreinigung,  gesunde Gelenke, Fitness sowieso – vieles wird mit der Befürchtung gekauft, dass dem Hund etwas fehlen könnte, und das wollen wir natürlich nicht. Glauben Sie mir, bei ausgewogener Ernährung fehlt Ihrem Hund in der Regel nichts. Im Gegenteil:

 „Was uns am Leben erhält, kann uns auch krank machen“
(Hippokrates von Kos…)

Etwas Gutes tun Sie dem Tier, wenn Sie es hin und wieder mit natürlich getrockneten Fleischsnacks, bei denen noch erkennbar ist, was es mal war, belohnen. Dabei handelt es sich um Einzelfuttermittel, die in größeren Mengen bei der Tagesration berücksichtigt werden sollten. Ergänzungen dagegen, speziell indizierte Konzentrate oder synthetische Ersatzstoffe, sind bei gesunden Tieren nur selten sinnvoll, dann aber durch bestimmte Umstände in der Regel auch notwendig – bevor gesundheitliche Probleme entstehen!

„Wohlgetan ist es, die Gesunden sorgfältig zu führen, damit sie nicht krank werden“
(…berühmtester Arzt der Antike um 400 v. Chr.)

Grund 1 – Essentielle Nahrungsbestandteile fehlen in der Umwelt und dadurch in Nahrungsmitteln:

Geologisch bedingt, sind Böden und Wasser in Mitteleuropa Jod arm. Selen ist in nur wenigen Nahrungsmitteln nennenswert nachweisbar. Diese Spurenelemente sind in hohen Konzentrationen zwar toxisch, der Bedarf im Mikrogrammbereich aber ist essentiell. Die Schilddrüse produziert Hormone ausschließlich als Jodverbindungen, die viele Funktionen im Organismus steuern. Um die Versorgung der Bevölkerung Österreichs sicherzustellen, ist dort das Anreichern von Speisesalz mit Jod sogar vorgeschrieben:

(http://www.schilddruesengesellschaft.at/jodversorgung-oesterreich)

Was für den Menschen gilt, gilt bedingt auch für Tiere. Selen spielt eine wichtige Rolle beim Schutz von Zellmembranen. Auf jodhaltige Präparate kann relativ leicht verzichtet werden, wenn im Futterplan immer wieder maritime Nahrungsmittel (Fisch, Meerestiere) auftauchen. Schilddrüsenunterfunktion ist allerdings u.U. vererbt. Erwähnenswerte Mengen Selen finden sich in Kokosflocken, aber auch in Nieren (nur in Abständen füttern) und Sesam (wenn überhaupt – sparsam verwenden).

Jodhaltige Nahrung liefert vor allem das Meer. Getrocknete Algen bitte sparsam verwenden (sehr hoher Jodgehalt).
Trotz ausgewogener Ernährung sollte die Schilddrüse in Abständen immer wieder kontrolliert werden.
Selen- und Jodpräparate sind günstig in Apotheken erhältlich.

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Wir sind dann mal angeln!

 

Grund 2 – wenn essentielles im täglichen Speiseplan fehlt:

Ein Argument für Rohfütterung von Hunden ist, dass deren Ahnen, die Wölfe, erlegte Beute roh fressen. Ohne ein Feuerzeug zur Pfote zu haben, bleibt ihnen wohl auch nichts anderes übrig. Ernsthaft, die Diskussion, ob roh oder gekocht, ist überflüssig, weil es ernährungsphysiologisch kaum eine Rolle spielt. Das Spektrum der Aminosäuren muss stimmen. Ein gewichtiges Argument gegen Rohfütterung ist allerdings die mögliche Verbreitung multiresistenter Keime aus Massentierhaltung. Hier sind die Rohfleischlieferanten in Sachen Hygiene und Tiefkühlkette gefordert. Meine Empfehlung ist: Rohfleisch immer kurz abkochen. Herkunft, Qualität und Zusammensetzung der täglichen Fleischration ist entscheidend – nicht ob roh oder gekocht.

Ebenso zur Genüge breitgetreten ist die Tatsache, dass Blut und die gefüllten Verdauungsorgane der Beutetiere, in der Regel Pflanzenfresser, eine erhebliche Rolle bei der Nährstoffversorgung von Raubtieren spielen. Noch gefüllter Blättermagen und ungereinigter Pansen haben allerdings in heimischen Küchen nur geringe Chancen. Darum bitte geruchsneutralen, gesunden Ersatz nicht als „nicht artgerecht“ verteufeln. Grün beruhigt nicht nur das Auge, es ist auch unerhört gesund (fand Nobelpreisträger Richard Willstätter heraus). Broccoli, grüne Blattgemüse, Blattsalate, aber auch Gräser und andere Gemüse – also das, was ein Beutetier so fressen würde – gehört bis zu einem Anteil von 40% (frisch) ins tägliche Futter. Alternativen sind schonend getrocknete Blätter, Gräser und Gemüse – möglichst fein (siehe Veganes getrocknet). Kräuter eignen sich nur bedingt, denn einige können mit ihren arzneilichen Wirkungen bei Langzeitanwendung Stoffwechselabläufe erheblich beeinflussen.

Ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung ist durch nichts zu ersetzen.
Eiweiß-, Vitamin- und Mineralstoffzusätze sind überflüssig, wenn die Qualität und Zusammensezung der Mahlzeit stimmen.
Kräuter: bitte nur mit fachlicher Beratung oder entsprechenden Kenntnissen füttern.

 

Grund 3 – nicht Essentielles wird plötzlich essentiell.

Vitalstoffe sind entweder essentiell (müssen mit der Nahrung aufgenommen werden) oder nicht essentiell (diese stellt der Organismus selber her). Naturgemäß lässt Vitalität mit zunehmendem Alter nach – bei jedem Lebewesen. Durch eine gesunde Lebensweise kann dem natürlich entgegengewirkt werden, doch…

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…..Hund ist auch nur ein Mensch!

Wenn wichtige Substanzen irgendwann nicht mehr ausreichend selbst synthetisiert werden, besteht die Möglichkeit, durch ersatzweise Aufnahme solcher Vitalstoffe Mängel auszugleichen und Stoffwechsel, Sinnes- und Organfunktionen sinnvoll zu unterstützen. Dies kann z.B. bei Arthrose der Fall sein. Glucosamin und Condriotin, Bestandteile der Gelenkmatrix, sind eigentlich auch für Hunde nicht essentiell und werden in jungen Jahren ausreichend selbst synthetisiert. Eine nachlassende Fähigkeit, Knorpelmasse zu regenerieren, wird aber für die vornehmlich im Alter auftretende Erkrankung mit verantwortlich gemacht.

So wurde bei einer zweijährigen Studie der Universität Sydney mit über 600 zweibeinigen Patienten zwischen 45 und 72 Jahren, durch Verabreichung von Glucosamin, eine Abschwächung der Gelenkspaltrückgänge in Kniegelenken bei Arthrose („statistisch signifikant“) beobachtet.

Knautscht Ihr Hund immer wieder getrocknete, kollagenhaltige Fisch- und Tierhäute, sind die enthaltenen Aminosäuren für den Erhalt der Gelenkmatrix mit Sicherheit nützlich und werden auch im Alter unterstützen. In STRIDE® dog liquid, ursprünglich für den Pferdesport entwickelt, sind Glucosamin und Condriotin konzentriert mit Hyaluronsäure kombiniert. Als Bestandteil von Gelenkflüssigkeit, dem Gallertkern der Bandscheiben, aber auch der Augen (2% binden im Glaskörper 98% Wasser) hat Hyaluronsäure die Eigenschaft, große Mengen Feuchte zu binden und für geeignete Viskosität zu sorgen.

Ab dem 7.- 8. Lebensjahr sinnvoll, spätestens wenn erste Bewegungsbeschwerden sichtbar werden. Dann bitte ggf. einen Tiermediziner zu Rate ziehen. Ob zeitlich begrenzt oder auf Dauer, ist individuell zu entscheiden – letztendlich zu beobachten. Bitte Mengenempfehlungen beachten!

Vorstehende Empfehlungen basieren schwerpunktmäßig auf meinen Erfahrungen der letzten fünf Jahre. Bei unserem regelmäßig angebotenen Service „DOGGYcheck“, führte der Regulationsmediziner, Paul Jahnhorst, Dunkelfelduntersuchungen und Laboranalysen durch, bei denen primär diese Schwachstellen auffielen:

  1. Schilddrüsenfunktion
  2. Eisen- und/oder Flüssigkeitsdefizite
  3. Altersbedingte Gelenkbeschwerden

Die Defizite von Eisen und Flüssigkeit ließen sich u. a. durch Korrekturen bei der Zusammensetzung des Futters relativ leicht beseitigen. Mit einigen komplex ergänzenden, natürlichen Zusätzen konnten sich Tiere mit Gelenkproblemen augenscheinlich bald besser bewegen. Die Schilddrüsenproblematik konnte teils mit Jodergänzungen beseitigt werden – in wenigen Fällen wurde dann doch die Gabe von Thyroxin empfohlen. Welche Behandlung erforderlich ist,  muss ein Tiermediziner entscheiden.

Betont sei hier, dass in nur zwei bis drei Fällen schwerere Erkrankungen diagnostiziert wurden. Solche lassen sich natürlich weder durch Futterumstellung noch durch gezielte Futterergänzungen heilen. Kräftigende, vollwertig angepasste Ernährung aber, wird eine mögliche Genesung von jeder Krankheit fördern.

„Grundsatz bei der Behandlung des Kranken, stets zweierlei im Auge haben: helfen oder wenigstens nicht schaden.“
Hippokrates – was veranlasste ihn wohl zu dieser Mahnung?

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